Predigtstuhl (1.975m)

Eine eilige Wanderung von Mittenwald auf den Predigtstuhl im Karwendelgebirge bei frühwinterlichen Verhältnissen.

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Ausgangspunkt

Gebührenpflichtiger Parkplatz bei der Talstation der Karwendelbahn in Mittenwald (N 47,43786° / E 11,27118°).

Tourdaten

  • Weglänge: 10 km
  • Höhendifferenz: ↑ 1.030 Hm ↓ 1.130 Hm
  • Gehzeit: 1h 30m, total 4h
  • Datum: 09.10.2017

Routenbeschreibung

Anlässlich einer etwas skurrilen Massenveranstaltung nahm ich kürzlich die Gelegenheit wahr, zusammen mit rund 80 anderen Wandervögeln (veraltet für: „Trailrunner“, vgl. auch „Speedhiker“) auf den Predigtstuhl bei Mittenwald zu eilen.

Den Gewinnern dieser Veranstaltung wurde in Aussicht gestellt, eines fernen Tages vielleicht Trailrunner von Oberstdorf nach Meran führen zu dürfen. Damit man von diesen nicht über die Strecke getragen werden müsse, war nun vorerst geboten, die 1.000 Höhenmeter zum Predigtstuhl in weniger als 2 Stunden zu erklimmen. Es wurde allerdings nur das Einhalten des Zeitlimits gemessen, nicht aber die tatsächliche Gehzeit. Vermutlich spielt diese beim Trailrunning zwischen Oberstdorf und Meran auch keine Rolle mehr.

Um die beträchtliche Anzahl der Teilnehmer auf dem schmalen Wanderweg unterzubringen, wurden diese nach Startnummern in vier Startblöcke à 20 Personen eingeteilt, die im Abstand von je 10 Minuten auf die Strecke gingen. Ich befand mich im zweiten Startblock.

Von der Talstation der Karwendelbahn ging es zunächst nach Osten auf der anderen Straßenseite auf dem Karwendelsteig in den Wald hinein, unter der Bundesstraße hindurch und rund 500m weiter bis zu einem großen Lagerplatz in der Nähe eines Steinbruchs. Hier erfolgte die Aufstellung der Startblöcke und der offizielle Start.

Über den Ochsenbodensteig steigt man durch den herbstlichen Wald bis zu einer Geländekante auf 1.500m mit einer Sitzbank. Von hier aus erhält man einen guten Überblick über den weiteren Streckenverlauf, der zunächst einen etwas steileren Wegabstieg bis zum Beginn des Geröllhangs unterhalb der Kreuzwand beinhaltet.

Nach der Überquerung des Geröllhangs erreicht man auf rund 1.420m den Beginn des Aufstiegs, der in zahlreichen Kehren durch Latschen gerade empor zur Dammkarhütte auf 1.600m führt. Von der Dammkarhütte aus geht es nun weiter zur deutlich sichtbaren Bergwachthütte weiter hinten im Kessel auf 1.780m Höhe.

Von der Bergwachthütte aus wird der gewaltige Geröllhang unter der Tiefkarspitze wenig ansteigend gequert, bis man die Gipfelrinne erreicht, die sich vom sichtbaren Gipfelkreuz des Predigtstuhls herabzieht. In dieser über Schrofen hinauf zum Gipfel. Das Ziel für die Teilnehmer befand sich wegen der Schneelage allerdings wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels in der Rinne.

Nach Niederschlägen in der vorhergehenden Nacht war bei unserer Besteigung bereits der untere Geröllhang bei der Kreuzwand schneebedeckt, die höheren Lagen entsprechend mehr. Die Bestzeit unter diesen Verhältnissen lag bei 1:18 Stunden. Ich selber erreichte das Ziel in 1:30 Stunden zusammen mit dem Zweiten meines Startblocks, wobei wir im schneebedeckten Geröll des Dammkars noch zahlreiche Teilnehmer der ersten Gruppe überholten, die 10 Minuten vor uns gestartet waren. Unser eigener Startblock und die restlichen Teilnehmer dahinter lagen weit entfernt hinter uns.

Für mich reichte es am Schluss aber trotzdem bei weitem nicht in die engere Auswahl. Für das Trailrunning zwischen Oberstdorf und Meran muss man heutzutage eben das gewisse Etwas mehr mitbringen als ein paar graue Haare, etwas Ausdauer, Kleider und Bergerfahrung aus dem Zeitalter vor dem Internet. Dies wurde am darauffolgenden Tag „geprüft“, auf dessen Durchführungsmodus ich aus Pietätsgründen aber nicht näher eingehen möchte. Erstaunt über das an eine Lotterie grenzende „Bewertungssystem“ dürften im übrigen auch einige der weniger schnellen Teilnehmer gewesen sein. Diesen wurde am nächsten Morgen mit einer sehr fragwürdigen Begründung mitgeteilt, dass man die ursprüngliche Zeitvorgabe von 2 Stunden aufgrund der Ergebnisse nachträglich auf 1:55 Stunden herabgesetzt habe, um sich die Auswahl etwas einfacher zu machen…

Abstieg

Im Abstieg kann man kurz unterhalb der Gipfelrinne in der Falllinie über den Geröllhang abfahren und im unteren Teil schräg nach links zur Dammkarhütte queren. Von hier wieder auf dem Aufstiegsweg hinab bis zum Beginn des Latschenhangs auf 1.420m. Nun nicht über den Ochsenbodensteig zurück, sondern gerade hinunter auf dem Weg in Richtung Mittenwald (Wegweiser) absteigen. Kurze Zeit später beginnt ein breiter Forstweg, der bis hinunter zur Straße und den Wohnhäusern am östlichen Ortsrand von Mittenwald führt.

Fotos

Aufstieg durch den HerbstwaldAufstieg durch den Herbstwald
Auf dem Ochsenbodensteig über MittenwaldAuf dem Ochsenbodensteig über Mittenwald
Blick vom Ochsenbodensteig ins DammkarBlick vom Ochsenbodensteig ins Dammkar
In der Querung hinüber zum DammkarIn der Querung hinüber zum Dammkar
Kurz vor dem Ziel am PredigtstuhlKurz vor dem Ziel am Predigtstuhl
Abstieg über Geröll ins DammkarAbstieg über Geröll ins Dammkar
Bei der DammkarhütteBei der Dammkarhütte
Blick zurück ins Dammkar und zum PredigtstuhlBlick zurück ins Dammkar und zum Predigtstuhl
Das Karwendelgebirge von Mittenwald ausDas Karwendelgebirge von Mittenwald aus